Vorwort ...............................................
9
Intermezzo ........................................... 13
Wie alles begann ..................................... 15
Meine Bleibe ......................................... 21
He, du da! ........................................... 27
Die verdammte Schule.................................. 35
Abendessen mit Irren ................................. 43
Alkoholvergiftung .................................... 47
Der rettende Brief ................................... 51
Umzingelt ............................................ 57
Schlüssel in die Freiheit? ........................... 63
Phoenix .............................................. 69
Die Sternstunde ...................................... 75
Friede, Freude, Eierkuchen ........................... 81
Schwarzes Schaf ...................................... 87
Honigkuchenpferd ..................................... 93
Stunde Null .......................................... 97
Das Blutbad ......................................... 103
Schwedische Gardinen ................................ 111
Auf Messers Schneide ................................ 127
Die Psychiatrie ..................................... 131
Auf der Flucht ...................................... 137
Der Rosa Elefant .................................... 143
Verloren ............................................ 149
Der Weiße Fleck ..................................... 151
Nachwort ............................................ 163
Als ich dann von diesem beschissenen, letzten Schultag
der Woche endlich nach Hause kam, war es wie erwartet auch nicht viel
besser. Denn meine Mutter wollte heute Abend ausnahmsweise einmal da sein.
Dreimal dürft ihr raten wieso. – Wirklich nicht schwer! –
Gut, ich sag es euch: Weil ihr »Lover« heute bei uns zu Abend
essen wird und sie mir gedroht hat, dass, wenn ich nicht da bin, wenn
sie kommen, ich mir ein anderes Haus zum Schlafen suchen kann. So ist
sie nun einmal, MEINE Mutter. Einfach zu nett um wahr zu sein.
Und da kamen sie dann auch schon … Und hab ich’s nicht gewusst?!
Ihre neue Flamme ist ihr Boss! Diese Frau hat einen richtigen Hieb!
»Sohn, darf ich dir vorstellen – Max Manson!«
Ich wollte nicht freundlich sein, aber dann dachte ich mir, wieso denn
eigentlich nicht und ich schmiss ihm den Schleim nur so hinüber:
»Die Freude ist ganz meinerseits, sie endlich
kennenlernen zu dürfen, Mister Manson!«
»Einen überaus freundlichen Jungen hast du
da, Marilyn!«
Darauf sagte meine Mutter natürlich nichts. Sie geleitete uns nur
ins Wohnzimmer, wo bereits das Essen auf uns wartete. Natürlich hatte
sie das wieder einmal nicht selbst gekocht, sondern sich diesen »Mampf«
bloß von irgend so einem Chinarestaurant zubereiten und zustellen
lassen. Es stank fürchterlich, aber ihr Geliebter Manson behauptete:
»Das riecht ja wirklich vorzüglich, Marilyn!«
Ich hasste diesen Max dafür, dass er meine Mutter die ganze Zeit
bei ihrem Vornamen anredete. Es war, als machte er aus ihr einen völlig
anderen Menschen. Und nun kommt’s: In seiner Gegenwart war meine
Mutter das auch tatsächlich! Diese rüpelhafte, penetrante und
verbiesterte Frau war an diesem Tag wie ausgewechselt. Denn so zuvorkommend
und … ich weiß wirklich nicht, was die sonst noch alles war
… Auf jeden Fall hatte ich meine Mutter noch nie so erlebt! Dies
sollte mir aber eigentlich voll egal sein, denn ich habe sie schon abgeschrieben
und ich möchte wirklich nichts mehr von ihr wissen! Und nichts, was
sie dann sagt, könnte mich noch irgendwie verletzen! Aber ich konnte
noch so viel verdrängen … Es half alles nichts. Im tiefsten
Inneren war sie doch immer präsent, denn immerhin war sie ja meine
Lebensspenderin. Da konnte ich sie noch so sehr hassen … Daher versetzte
sie mir an diesem Abend noch einen richtigen Stich in mein kleines Herz,
mit dem, was sie schon bald zu mir sagen sollte …
»Talon! Max und ich haben dir jetzt noch eine
tolle Neuigkeit zu berichten!«
Dieser Satz meiner Mutter war erst der Anfang des Grauens. Es konnte und
sollte noch um einiges schlimmer werden …
»Erzähl schon, Mutter. Was ist denn? Hat
Max sein Hund Durchfall? Oder ist ihm vielleicht seine Katze wegen Trunkenheit
am Steuer unters Auto gekommen? – Oder wundert er sich gar, warum
sein Hamster den ganzen Tag lang bloß schläft?«
»Einen witzigen Jungen hast du da, Marilyn!«,
bemerkte Max zu meinen genialen Ausführungen.
»Er ist nicht witzig! Sondern nur FRECH! Lass
dir von Max die Neuigkeit erzählen! – Ich werde besser aufs
WC gehen, bevor ich diesem vorlauten Kind noch Hausarrest gebe!«
Diese Wandlung der Marilyn Kilkenny faszinierte mich wirklich. Unter normalen
Umständen hätte sie mich nämlich schon längst wieder
einmal in den Keller gesperrt …